Eine wilde Reise geht zu Ende! – LZ-CUP

Für jeden Hobbyfussballer in Lippe dürfte es wohl ein Traum sein. Einmal in der Arena in Lemgo vor über 3.000 Zuschauern spielen. Auf einer größeren Bühne wird kaum einer von uns jemals spielen. Dementsprechend ist auch die Hallenmeisterschaft ein (wenn nicht sogar DAS) Highlight in der Saison. Da wird Anfang Dezember der Auslosung entgegen gefiebert und anschließend die Los-Fee entweder gelobt oder verteufelt. Die Vorrunde wird  gespielt und entweder sitzt man in den weiteren Runden auf den Tribünen oder spielt in der Zwischenrunde. Diese gestaltet sich in den meisten fällen gleich deutlich schwieriger und auch hier gilt, weiter kommen oder das Endrunden-Ticket selber kaufen.

Aber fangen wir doch Anfang Dezember an. Eine kleine Delegation des TuS hat sich in den Räumen der LZ eingefunden um die Auslosung zu beobachten. Als Ausrichter der Vorrunde in der DBB-Halle waren wir als Gruppenkopf gesetzt. Die Lose bescherten uns eine Gruppe in der wir nicht grade als große Favoriten galten. Neben dem Topfavorit auf den Cup Post TSV-Detmold, bekamen wir die beiden A-Ligisten SF Berlebeck-Heiligenkirchen und den FSV Pivitsheide. Dazu noch unseren Aufstiegskonkurrenten SF Oesterholz-Kohlstädt und den FC Cavo Lage (das wohl stärkste Kreisliga C Team im Turnier). Durch die größere Gruppe allerdings qualifizierten sich die ersten 3 der Gruppe für die Zwischenrunde. 

Die „Mission Lemgo“ startete aber bereits deutlich vor dem dritten Advent. Wochenlang hatte die Mannschaft sich im Vorfeld getroffen und in der Halle trainiert. An der Vorbereitung sollte es auf jeden Fall nicht scheitern. Mit den Sportfreunden aus Oesterholz und Kohlstädt war der erste Gegner ein bekannter. Ebenso wie wir setzen diese auf die Jugend und so haben viele Spieler bereits in den letzten Jahren in den Jugendmannschaften ihr Können gemessen. Um 14:00 startete der Cup für uns. 12 Minuten später standen die ersten 3 Punkte in den Büchern. 4:1 Sieg zum Auftakt. Es folgte das nächste Ausrufezeichen. Der FSV Pivitsheide (immerhin Endrundenteilnehmer in den letzten Jahren) wurde mit 8:0 vom Platz gefegt. Im dritten Spiel wartete der größte Brocken. Wir gingen sogar schnell in Führung und verteidigten aufopferungsvoll aber ein Fehler im Spielaufbau unsererseits bringt den Postlern den Ausgleich. Die größeren Chancen hatten trotzdem wir und in der letzten Sekunde klatschte ein Schuss von Jannik Rother an die Latte und Jan Lukas verpasste am langen Pfosten. Das wärs doch gewesen aber ein Punkt gegen Post TSV hatte uns vermutlich sowieso niemand externes zugetraut. Das Spiel gegen Cavo wurde mit 6:2 absolviert und so ging es im letzten Spiel gegen die Sportfreunde aus BHK tatsächlich um den Gruppensieg.  Leider zogen wir dort mit 1:2 den kürzeren.  Die Qualifikation für die Zwischenrunde war aber in trockenen Tüchern. Geärgert hat man sich trotzdem nachdem man die Ergebnisse aus den anderen Gruppen gesehen hatte. Mit dem Gruppensieg wären wir in einer reinen Kreisliga B Gruppe gelandet! So hatten wir 3 Gegner aus der Kreisliga A vor der Brust. 

Am letzten Sonntag des Jahres hieß es dann ZWISCHENRUNDE! Erneut in der DBB-Halle. Erneut Nachmittags. Erneut als Underdogs. Der SV Diestelbruch Mosebeck, SuS Pivitsheide und der SV Jerxen-Orbke schickten sich an unseren Traum von der Endrunde kaputt zu machen. Die Ausgangslage in der Zwischenrunde war klar. Der Gruppenerste ist direkt dabei und der Gruppenzweite muss ins Entscheidungsspiel. Da waren wir vor einigen Jahren hochdramatisch gegen den SV Hakedahl gescheitert. Der SV Di-Mo wurde durch zwei schnelle Tore von uns als erstes geschockt. Nach dem Anschlusstreffer zum 2:1 mussten wir nur noch kurz zittern und die ersten 3 Punkte waren im Sack. Im zweiten Spiel standen uns die Pivitsheider gegenüber. Nach kurzer Verletzungsunterbrechung kamen wir ins rollen. 1:0, 2:0, 3:0 Abpfiff. 2 Spiele und 6 Punkte. Es konnte nicht besser laufen. An der Theke hörte man fremde Trainer raunen, dass wir an diesem Tag die stärkste Mannschaft in der Halle waren. Nachdem der SV Jerxen-Orbke ungewohnt schwach agierte gingen wir auch als Favorit in das letzte Gruppenspiel. Noch ein Punkt bis Lemgo. Dachten zumindest die Jungs in der Kabine. In der Halle aber spielten grade Diestelbruch und Pivitsheide. Durch die anderen Ergebnisse in der Gruppe brauchte Pivitsheide einen Sieg um uns überhaupt noch einholen zu können. SuS war lange in Führung bis Sekunden vor Schluss. Dann glich Di-Mo aus und auf der Tribüne wusste jeder sofort was das bedeutet. Lemgo. Endrunde. Dann Abpfiff. Die Mannschaft kam bereits jubelnd aufs Spielfeld. Die ganze harte Arbeit hatte sich gelohnt. Zum ersten mal seit 2008 in der Endrunde. Zum ersten mal in der Arena in Lemgo! Das war der Moment wo einige (evtl. Ich) das erste mal Pipi in den Augen hatten. Jerxen-Orbke brauchte 3 Punkte für das Entscheidungsspiel. Die holten Sie sich durch einen Sieg. Uns wars egal. 

Bereits am Abend wurden abseits der Mannschaft Pläne geschmiedet.  Ein Bus muss her. Bier muss her. Fans müssen her. Wenige Tage später steht der Plan. Bus, Eintritt, Getränke, T-Shirt, Fanpaket und das alles für 5€. Manch ein Verein hat für weniger das doppelte oder dreifache aufgerufen. Dazu wurde noch eine Choreografie geplant. Alles mit dem Ziel im Kopf: Die Endrunde in Lemgo soll unvergesslich werden und niemand darf nachher aus der Halle gehen und nicht wissen wer wir sind. 

Nebenbei wurden von Spielern die Medientermine absolviert. Dann die Auslosung. Lügde, Augustdorf und Bad Salzuflen. Naja in der Endrunde gibt es halt keine leichten Gegner mehr. Aus der Kreisliga B hatten es nur wir geschafft. 

Also versammelten wir uns am Tag der Tage um 8:30 am Sportplatz. Die Mannschaft und die Fans. Gemeinsam sollte dieser Tag zu etwas besonderem gemacht werden. Es wurde gefrühstückt und die Shirts und Materialien ausgegeben. Währenddessen warteten Fynn und Fabian bereits in Lemgo auf den Einlass. Block absperren, Material für die Choreografie bereit legen, Trommeln anbringen, Banner aufhängen. Alles erledigt bevor die Busse ankamen. Kompliment. Die Plätze wurden eingenommen, der Block gefüllt und die Thekenbesetzung vor unserer Tür beschäftigt. Um 10:45 dann die Premiere.

Der erste Auftritt unseres TuS im „Handballtempel“. TuS WE Lügde (3. Kreisliga A Detmold) der Gegner und manch einer erinnerte sich an das Kreispokalviertelfinale. Dort sind wir gegen die B11 des TuS WE deutlich unter die Räder gekommen. Mit Anpfiff dann die Choreografie auf der Tribüne und direkt danach der Blitzstart. Mirko Röhl mit dem ersten Turniertreffer. Zack Barkowski 2:0. Staunende Blicke im weiten Rund und auf der Lügder-Bank.  Zum Anschlusstreffer kommen diese zwar noch aber dann der Abpfiff und der Block A5 explodiert. Spätestens da wusste jeder wer wir sind und das die Männer in den weiß-grünen Trikots sich nicht kampflos geschlagen geben. Im zweiten Spiel wartete dann einer der großen Favoriten mit dem FC Augustdorf (8. Bezirksliga Staffel 02). Diese sind als brillante Hallenmannschaft der letzten Jahre bekannt und haben jedes Jahr einen gigantischen Support im Rücken. Die Ecke in rot weiß wie man Stimmung macht und schreckt auch vor großen Aktionen nicht zurück. Leider mussten wir feststellen das die Augustdorfer sehr genau wissen was sie auf dem Hallenboden zu tun haben und absolut gnadenlos agieren. Zum Abpfiff stand ein 0:7 auf der Anzeigetafel. Da mussten wir doch einmal durchatmen. Das Halbfinale rückte in ganz weite Ferne. Pünktlich zum  letzten Gruppenspiel gegen den SC Bad Salzuflen (Tabellenführer Kreisliga A Lemgo) waren die Köpfe aber wieder oben. 3,2,1, Action. Nach einigen Minuten liegen wir leider mit 0:2 zurück aber aufgeben ist nicht. Alle zusammen legen rein was sie noch haben. Der Block gibt alles und die Mannschaft ebenso. Marco mit dem Anschlusstreffer zum 1:2. Dann das 1:3. Ärgerlich. Inzwischen kämpfen die Männer wie die Löwen. 2:3 durch Mirko Röhl. 2:4. Geschlagen gibt sich hier keiner. Noch eine Minute auf der Anzeigetafel und die Musik dröhnt aus den Boxen. Jannik Rother mit dem 3:4! Dann halten alle den Atem an. Jannik schießt erneut. Der Torwart ist geschlagen. Pfosten. Kurz darauf der Abpfiff. Das Abenteuer Endrunde ist für uns offiziell beendet. Die Mannschaft wird nochmal gefeiert. Ein großes DANKE-Banner wird vom Team entrollt und der Kurve präsentiert. Jedem mit unserem Wappen auf der Brust wird spätestens hier klar, wir haben etwas ganz besonderes geschafft!

Zum Ende möchte ich persönlich nochmal Danke sagen.

Danke an unsere „Fans“ die im Grunde dann doch eher Bekannte, Freunde, Familie oder Mitspieler sind.

Danke an die „Organisatoren“ im Hintergrund, die unseren Verein nach vorne bringen wollen und das bereits tun. 

Danke an die FUL-Kreise Detmold und Lemgo und die LZ die jedes Jahr aufs neue ein so tolles Turnier veranstalten. 

Danke an die Sponsoren die uns ganz direkt und unbürokratisch unterstützt haben! 

Danke an die Trainer die diese Mannschaft geformt haben und mir erlauben weiterhin dabei zu sein!

Aber der größte Dank (und vielleicht hab ich schon wieder eine Träne im Augenwinkel) geht an die Mannschaft!

Ohne euren Fleiß, euer Talent, euren Kampfgeist und euren Zusammenhalt, hätte niemand von uns diesen Tag so erleben dürfen. 

Am Ende ist es dann eben doch so wie Alfred Preißler einst sagte „Grau is‘ im Leben alle Theorie – aber entscheidend is‘ auf’m Platz.“